Kirchensteuer in Deutschland: Wer zahlt und wie viel?

Steven Miller
Steven Miller
Kirchensteuer in Deutschland: Wer zahlt und wie viel?

Unter den Dingen, die Expats bei einem Umzug nach Deutschland am meisten überraschen, wird die Existenz der Kirchensteuer oft als eines der schockierendsten Dinge genannt. 

In Deutschland müssen die Mitglieder bestimmter Religionsgemeinschaften eine Steuer zahlen - die sogenannte Kirchensteuer. Sie wird zur Finanzierung der Kirchen und zur Unterstützung ihrer sozialen und karitativen Einrichtungen verwendet. Die Steuer wird direkt vom Einkommen abgezogen und über das Finanzamt an die Kirchen weitergeleitet. 

In diesem Artikel werden wir versuchen, alles zu klären, was man über diese Steuer wissen muss: Wer sie zahlt und warum, wie viel man zahlen muss und wie man die Zahlung einstellen kann.

Höhe der Kirchensteuer in Prozent

Die Kirchensteuer wird als Prozentsatz der Einkommensteuer berechnet. Die genaue Höhe hängt vom Bundesland ab:

  • 8 % der Einkommensteuer in Bayern und Baden-Württemberg
  • 9 % der Einkommensteuer in allen anderen Bundesländern

Beispielrechnungen

  • Eine Person in Bayern mit einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro und einer Einkommensteuer von etwa 12.000 Euro zahlt 960 Euro pro Jahr Kirchensteuer (8 % von 12.000 Euro), etwa 80 Euro pro Monat
  • Eine Person in Nordrhein-Westfalen mit einem Jahreseinkommen von 45.000 Euro und einer Einkommensteuer von rund 8.500 Euro zahlt 765 Euro pro Jahr Kirchensteuer (9 % von 8.500 Euro), etwa 63 Euro pro Monat

Muss ich Kirchensteuer in Deutschland zahlen?

Bei der Anmeldung beim Finanzamt wird man gefragt, ob man einer Kirche angehört und welcher Kirche. Die Kirchensteuer betrifft nur Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche. Angehörige anderer Religionen wie Muslime oder Juden zahlen keine Kirchensteuer, es sei denn, sie gehören einer jüdischen Gemeinde an, die eine eigene Kultussteuer erhebt.

Wer keiner Kirche angehört oder offiziell aus der Kirche austritt, muss keine Kirchensteuer zahlen.

Steuerkontrollen und prominente Fälle

Die Kirchensteuer wird von den Finanzbehörden kontrolliert, und in einigen Fällen kann es zu Nachforderungen kommen, wenn sich herausstellt, dass jemand steuerpflichtig ist. Ein prominentes Beispiel ist der ehemalige Fußballspieler Luca Toni, der während seiner Zeit beim FC Bayern München eine Nachforderung von 1,7 Millionen Euro erhielt. Da seine Religionszugehörigkeit nicht korrekt angegeben war, wurde er zunächst nicht besteuert. Später stellte sich jedoch heraus, dass er offiziell als Katholik galt – und genau das führte zur Steuerschuld. Daraufhin zog Toni vor Gericht und verklagte seine Steuerberater wegen mangelnder Aufklärung, mit Erfolg. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die eigene Religionszugehörigkeit korrekt anzugeben, um unerwartete Steuernachforderungen zu vermeiden.

Wie kann ich aus der Kirche austreten?

Viele Menschen gehören offiziell einer Kirche an, weil sie in ihrer Kindheit – etwa durch die Taufe – aufgenommen wurden, entscheiden sich aber später bewusst für ein atheistisches Weltbild. Umso größer ist oft die Überraschung, wenn sie nach Deutschland ziehen und feststellen, dass sie hier Kirchensteuer zahlen müssen. Um diese Steuern nicht mehr zahlen zu müssen, ist es wichtig, förmlich aus der Kirche auszutreten - eine Selbsterklärung ist nicht ausreichend.

Der Kirchenaustritt muss beim zuständigen Standesamt oder Amtsgericht erklärt werden. Die Schritte sind:

  1. Zuständige Behörde am Wohnort ermitteln
  2. Persönlich hingehen (oft mit Termin) und Austrittserklärung unterschreiben
  3. Gebühr (ca. 30 € – 60 € je nach Bundesland) bezahlen
  4. Kirchenaustrittsbescheinigung aufbewahren (wichtig für Steuererklärung!)

Offizielle Informationen gibt es auf den Webseiten der Länderbehörden

Bitte beachte, dass der Kirchenaustritt auch Auswirkungen auf Hochzeiten und Beerdigungen hat. Wenn du zum Beispiel als italienischer Katholik in Deutschland lebst und dich entscheidest, offiziell aus der katholischen Kirche auszutreten, um in Deutschland keine Kirchensteuer zu zahlen, kannst du weder in Deutschland noch in Italien oder anderswo kirchlich heiraten, sondern nur standesamtlich.

Arbeiten und Leben in Deutschland

Wenn du als Expat in Deutschland lebst, können viele bürokratische Dinge kompliziert erscheinen. Erfahre mehr über mögliche Probleme für Expats in Deutschland und wie du sie lösen kannst: Expats in Deutschland: Herausforderungen und Probleme.

Die Schufa-Auskunft zählt zu den unerwartetsten und oft auch nervigsten bürokratischen Hürden, mit denen man in Deutschland konfrontiert wird.Sie kann bei der Wohnungssuche eine Rolle spielen. Lies mehr darüber in unserem Artikel: Schufa-Auskunft für Mietwohnungen.

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